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Zweite Entwicklungswerkstatt 2016

Wenn Jugendarbeit nicht für andere Interessen instrumentalisiert werden soll muss sie Selbstzweck bleiben – und Themen behandeln, die durch die Jugendlichen selbst gesetzt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich engagierter Nachwuchs findet, der innerhalb der Jugendverbände künftig Verantwortung übernehmen wird.


Die am Projekt „Junge Muslime als Partner – FÜR Dialog und Kooperation! GEGEN Diskriminierung!“ beteiligten evangelischen und muslimischen Jugendverbände stellten fest, dass sie alle die Beschäftigung mit diesen Fragestellungen eint, wenngleich sich die Gesamtsituation der unterschiedlichen Verbände und ihre Ausstattung mit Ressourcen stark unterscheiden. Deutlich wurde auch, dass die Vertreter*innen der konfessionellen Verbände die Grundannahmen über den Charakter von Jugendverbandsarbeit teilen, sie aber mitunter noch Schwierigkeiten haben, ihre Perspektive innerhalb der eigenen Strukturen durchzusetzen.

Vom 21.-22. Oktober 2016 kamen erneut die Projektbeiteiligten in Kassel zusammen, um im Rahmen der zweiten Entwicklungswerkstatt in einen intensiven Austausch miteinander zu gehen. Die Teilnehmer*innen setzten sich aus den Vertreter*innen der muslimischen Jugendverbände BDMJ, MJD und VIKZ auf Bundesebene und den evangelischen und muslimischen Ansprechpartner*innen aus den Projekt-Standorten zusammen.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurde eine externe Referentin eingeladen, die am Freitag ein Rassismus-kritisches Training mit der heterogenen Gruppe der Teilnehmer*innen durchführte. Carina Großer-Kaya vom Verband binationaler Partnerschaften e.V. aus Leipzig ist im Projekt „Vaterzeit im Ramadan!?“ tätig, das ebenfalls im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert wird. Sie übernahm die Durchführung des Trainings und sensibilisierte die Teilnehmer*innen für subtile Grenziehungen von Zugehörigkeit sowie Zuschreibungen gegenüber Menschen of Colour, die seitens Vertreter*innen der Mehrheitsgesellschaft oftmals „gut gemeint“ und dennoch nicht weniger stigmatisierend erfolgen. Insbesondere im geschützten Rahmen von Kleingruppen konnte so ausführlich über rassistische Praxen und deren Wirkung diskutiert werden. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Zusammensitzen in einem Lokal nahe des Tagungshauses in Kassel-Wilhelmshöhe aus.

Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen des internen Projekt-Austauschs sowie der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten, die in den Tandem-Kooperationen vor Ort auftreten. Insbesondere die begrenzten zeitlichen Kapazitäten der ehrenamtlich engagierten Projektbetiligten wurde als Schwierigkeit identifiziert. Die engagierten Jugendlichen, die sich neben dem Studium oder Beruf für das Projekt einsetzen, können aus naheliegenden Gründen nur begrenzt zeitliche Ressourcen aufbringen. Dadurch ergeben sich auch Konsequenzen für die gemeinsam definierten Projektziele, wenn sie leistbar bleiben sollen.

Abhilfe soll in diesen Fällen eine jährliche Bestimmung realistischer Jahresziele schaffen sowie die Bereitstellung des organisatorischen Rahmenwerks durch die hauptamtlichen evangelischen Partner. Zu schaffen macht muslimischen Menschen in Deutschland die wachsende Muslim- und Islamfeindlichkeit, das wurde im Rahmen der Veranstaltung erneut deutlich. Vertreter*innen muslimischer Organisationen haben vermehrt den Eindruck, sich alleine einer Übermacht an Islamfeindlichen Positionen gegenüber zu sehen. Vor diesem Hintergrund wollen die Projektbeteiligten ihr Bemühen, medial Stellung für eine tolerante und vielfältige Gesellschaft zu beziehen, weiter verstärken. Denkbar wären neben der verstärkten Wahrnehmung gemeinsamer Termine in der Öffenlichkeit auch die Herausgabe gemeinsamer Presseerklärungen zu gesellschaftlichen Ereignissen. Es soll künftig sichtbarer werden, dass die evangelischen Partner Seite an Seite mit ihren muslimischen Kolleg*innen stehen.

Insgesamt wurde bei der zweiten Entwicklungswerkstatt des Projekts deutlich, dass ein großer Bedarf an Projekt-internem Austausch besteht. Für die Umsetzung gemeinschaftlicher interreligiöser Aktivitäten an den Tandem-Standorten sind die Berichte über die Pläne und Erfahrungen der anderen Standorte besonders wertvoll. Daher wird es im kommenden Projektjahr 2017 erneut eine Projekt-interne bundesweite Veranstaltung geben, bevor das Projekt im Jahr 2018 erste Ergebnisse mit einem größeren Fachpublikum teilen wird.

Die Beteiligten an den Projekt-Standorten sind hoch motiviert, gemeinsam die Projektziele weiter zu verfolgen. Für die Verteilung der Standorte hat sich im Herbst 2016 ergeben, dass ein bisheriger Partner aus dem Projekt ausscheiden wird. Der Standort Aschaffenburg wird aus dem Projekt ausscheiden, da die lokale Gruppe des VIKZ augrund mehrfacher Wechsel des Ansprechpartners noch nicht über die Basis verfügt, um weitergehende Kooperationen einzugehen. Stattdessen ist ab sofort eine VIKZ-Gruppe in Offenbach Teil des Projekts, die Vertreter der Jugendgruppe haben bereits an der Veranstaltung teilgenommen.


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